Ein Gespräch mit Tanja Kretzer über ein außergewöhnliches Showprojekt
Siegen. Ein ausverkauftes Haus, gespannte Stille vor dem ersten Ton – und dann ein Auftakt, der sofort klar machte: Diese Turnschau wird anders. Mit „4Motion“ eröffnete der TV Gosenbach gemeinsam mit dem ESV Finnentrop und dem TV Jahn Siegen die Turnschau des Siegerland Turngaus und verwandelte die Siegerlandhalle in eine Bühne für ein außergewöhnliches Gemeinschaftsprojekt aus Trampolin, Rhönrad und Parkour.
Was das Publikum sah, war weit mehr als eine klassische Showvorführung. Es war eine durchinszenierte Geschichte der Elemente Luft, Feuer, Wasser und Erde – und das Ergebnis einer Zusammenarbeit, die in dieser Form im regionalen Turnsport ihresgleichen sucht.



Im Gespräch mit Tanja Kretzer, die als zentrale Koordinatorin hinter dem Projekt steht, wird schnell deutlich, wie viel Zeit, Idee und Abstimmung in dieser scheinbar mühelosen Show steckt.
Eine Idee, die Jahre vorher begann
Die Grundlage für das Projekt entstand überraschend früh. Tanja erinnert sich an eine erste Begegnung zwischen Disziplinen: „Wir hatten vor einigen Jahren Rhönradturner bei uns, die vom Trampolin Abgänge üben wollten. Damals hatte ich schon die Idee, dass man das doch vielleicht einmal kombinieren könnte.“ Zu diesem Zeitpunkt habe es diesen Auftritt bei der Turnschau als konkretes Projekt noch gar nicht gegeben.
Was damals noch eine spontane Trainingseinheit war, entwickelte sich Jahre später zur Grundlage von „4Motion“.
„Als ich gefragt wurde, ob wir wieder etwas machen wollen, habe ich überlegt: Wir hatten schon alles Mögliche – Schwarzlicht, buntes Licht, zwei Trampoline, drei Trampoline …“, erinnert sich Tanja. „Ich wollte etwas, das die Leute noch nicht gesehen haben.“
Mit dem ESV Finnentrop und dem TV Jahn Siegen fanden sich zwei Partner, die sofort oder zumindest recht schnell überzeugt waren. Besonders der ESV Finnentrop betrat Neuland.
„Das war ihr erstes Showprojekt überhaupt und sie waren total dankbar, dass sie einen erfahrenen Verein an der Seite hatten“, erzählt Tanja mir.
Die Abstimmung habe dennoch einige Zeit gebraucht, vor allem wegen unterschiedlichen Vereinsstrukturen, vollen Wettkampfkalendern und Karnevalsterminen.



Die Idee der vier Elemente
Im Zentrum der Show stand die Geschichte der vier Elemente Luft, Feuer, Wasser und Erde.
Auf meine Frage, wie diese Story entstanden ist, lacht Tanja zunächst. Im gemeinsamen Workshop mit allen drei Vereinen seien viele Ideen gesammelt worden, aus denen schließlich die Geschichte der vier Elemente entstand.
„Irgendeiner hatte diese Idee, und das hat sich sofort richtig angefühlt“, so Tanja. „Ich weiß nicht, ob ich das verraten sollte – aber ich glaube, das war tatsächlich KI“, sagt sie mit einem Schmunzeln.
Die Wahl fiel nicht zufällig: Luft für die Trampoline, Feuer für Parkour, Wasser für die Rhönräder – und die Erde als verbindendes Element.
„Das war sofort klar“, sagt Tanja. Nur das Rhönradteam habe zwischen Wasser und Erde noch kurz geschwankt – und sich schließlich für Wasser entschieden, passend zu Bewegung und Dynamik.
Besonders spannend fand ich die Frage, wann klar wurde, dass aus vielen Einzelideen ein stimmiges Gesamtbild entsteht.
Tanja beschreibt einen Schlüsselmoment bei einem der gemeinsamen Trainings in Finnentrop: „Da hatten wir das erste Mal das Gefühl, dass wir alle an einem Strang ziehen.“ Bis dahin sei noch Unsicherheit gewesen, ob das Projekt wirklich funktionieren könne.
Musik als verbindendes Element
Die Musik spielte eine zentrale Rolle im Projekt. Ich habe Tanja gefragt, nach welchen Kriterien sie ausgewählt wurde.
Ein wichtiger Punkt sei gewesen, keine Musik mit Gesang zu verwenden. „Sonst fangen die Kinder an mitzusingen – und das sieht dann nicht gut aus““, erklärt sie lachend.
Jede Gruppe habe zunächst eigene Musik gewählt, für gemeinsame Teile habe man sich dann abgestimmt. Entscheidend sei gewesen, dass die Übergänge für das Publikum nachvollziehbar bleiben.
Ich habe außerdem nachgefragt, wie wichtig Musik als verbindendes Element zwischen Trampolin, Rhönrad und Parkour ist.
„Eigentlich total wichtig“, sagt Tanja. Besonders die Übergänge zwischen den Elementen hätten sauber abgestimmt sein müssen, etwa wenn Wasser das Feuer „überrollt“. „Das musste alles weich ineinander übergehen.“
Der filmische Einstieg
Besonders eindrucksvoll war der Einstieg: ein Trailer aus Trainingsaufnahmen, der die Show eröffnete. Ein Moment, der nicht nur das Publikum einstimmte, sondern auch die Dimension des Projekts sichtbar machte.
Tanja erklärt, dass die ursprüngliche Idee seitens des Siegerland Turngaus eher eine klassische Vorstellung der Vereine gewesen sei.
„Wir wollten aber schon ein bisschen die Geschichte andeuten, damit das Publikum weiß, in welche Richtung es geht.“
Wie aus drei Sportarten eine Show wird
Die größte Herausforderung lag jedoch nicht im Konzept, sondern in der Verbindung der Sportarten selbst. Mich hat besonders interessiert, wie es gelingt, Trampolin, Rhönrad und Parkour so zu verbinden, dass keine drei Einzelshows entstehen.
Tanja beschreibt, dass vor allem gemeinsames Training entscheidend war. „Die Parkourer waren viel bei uns in der Halle, und wir haben immer wieder ausprobiert, was zusammenpasst.“
Außerdem verriet sie mir: „Die Kombination mit dem Rhönrad war eigentlich hauptsächlich die, dass Aktive der beiden anderen Sportarten mit ins Rhönrad gegangen sind, und das einfach mal ausprobiert haben.“
Organisation zwischen Terminkalender und LKW
Hinter den Kulissen war das Projekt logistisch anspruchsvoll. Trainingstermine wurden früh vereinbart, teilweise Monate im Voraus. Gemeinsame Proben fanden gezielt statt – vieles blieb zunächst getrennte Arbeit. Ich habe Tanja gefragt, wie ein solches Projekt organisatorisch überhaupt zu stemmen ist.
Die Antwort: früh planen und konsequent bleiben. „Wir haben feste Termine bis Februar gesetzt und diese auch eingehalten.“
Die größte Schwierigkeit sei nicht die Technik gewesen, sondern die Abstimmung zwischen den Beteiligten.
„Wir haben uns extra nochmal nur mit den Trainern zusammengesetzt, um an den Übergängen zu arbeiten“, erzählt Tanja. Erst nach und nach habe man einen gemeinsamen Nenner gefunden.
Die erste gemeinsame Großprobe fand bewusst erst in der Siegerlandhalle statt – am Tag vor der Aufführung.
Aufbau mit viel Aufwand
Auch der Aufbau in der Siegerlandhalle war ein logistisches Großprojekt: die Rhönräder wurden vorab erstmal nach Gosenbach geliefert, dann alle Materialien zusammen in die Siegerlandhalle transportiert und die Halle vorbereitet.
„Das war schon ein aufwändiger Prozess“, sagt Tanja rückblickend.



Der Moment, in dem alles passte
Den entscheidenden Moment beschreibt sie knapp: „Freitag in der Siegerlandhalle – da wussten wir: Jetzt passt alles.“ Zweifel? Fehlanzeige, sagt Tanja lachend: „Wir sind turnschau-erfahren.“
Die Siegerlandhalle war nahezu ausverkauft, als „4Motion“ die Turnschau eröffnete. Der Applaus war groß, die Stimmung beeindruckend.
Wenn Tanja zurückblickt, ist sie vor allem auf eines stolz: „Dass es gelungen ist, aus sehr unterschiedlichen Sportarten eine gemeinsame Aufführung zu machen.“
Das Publikum habe genau das gespürt – dass hier nicht drei einzelne Shows gezeigt wurden, sondern ein gemeinsames Konzept. Der vielleicht eindrücklichste Moment: das Chaos-Szenenbild und das finale Schlussbild, in dem alle Elemente zusammengeführt wurden.
Und wie geht es weiter?
Ob sie ein solches Projekt noch einmal machen würde?
„Auf jeden Fall, warum nicht?“, sagt Tanja ohne zu zögern.
Und wer diesmal nicht dabei war, dürfte spätestens jetzt wissen: Diese Show hätte man besser nicht verpasst.




















Von Anfang bis Ende eine Show welche einen fasziniert hat. Bravo
Respekt für diese organisatorische Meisterleistung